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1. Werner Jaeger – Wirken und Vermächtnis

 Am 30. Juli 2013 wäre der in Lobberich (heute Nettetal) geborene und 1961 in den USA gestorbene Altphilologe Professor Dr. Werner Jaeger 125 Jahre alt geworden. Er war im 20. Jahrhundert ein herausragender Geisteswissenschaftler auf dem Gebiet der Klassischen Altertumswissenschaften. Als akademischer Lehrer an der Humboldt-Universität in Berlin  (1921-1936) entwickelte er sich zu einem der profiliertesten Vertreter der Klassischen Altertumswissenschaften im deutschsprachigen Raum. Ab 1933 sah er die Möglichkeiten, seine wissenschaftlichen Auffassungen in Deutschland wirksam zu vertreten, jedoch immer stärker geschmälert. Da zudem seine Frau Jüdin und der zunehmenden Ausgrenzung und Entrechtung ausgeliefert war, entschloss er sich 1936 zur Emigration in die USA. Dort lehrte er vor allem an der Harvard-University und etablierte dort wie schon zuvor in Deutschland eine eigene Forschungstradition. Dennoch ließ der die Kontakte nach Deutschland nicht abreißen. Nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm er mehrere Reisen in seine alte Heimat, wo sein wissenschaftliches Werk eine späte Anerkennung fand: 1955 wurde er in den Orden „Pour le Mérite“ aufgenommen. Er starb am 19. Oktober 1961 in Cambridge, Massachusetts.

Das Lobbericher Gymnasium führt schon seit Jaegers Lebzeiten seinen Namen, eine Bezeichnung, die ihn schon bei einem Besuch in der Schule 1959 sehr stolz machte. Der Kreis Kempen-Krefeld hat ihn 1969 mit einer Gedenkmedaille geehrt.

Zahlreiche akademische Schüler setzten seine Erforschung des klassischen Alter­tums fort und unterstützten dabei sein Bemühen um die Etablierung eines „dritten Humanismus“.

Name und wissenschaftliches Lebenswerk von Werner Jaeger sind heute jedoch nur noch im engeren fachwissenschaftlichen Diskurs geläufig. Erst in den letzten Jahren ist wieder eine intensivere Beschäftigung mit ihm und seinen Auffassungen feststellbar. Mehrere Forschungsarbeiten über Jaegers Leben und Wirken erschienen, die seine Position in der internationalen Altertumsforschung herausarbeiten und seine Vorstellung von der Bildung des Menschen aus einer christlich-humanistischen Tradition, vor allem aber aus dem Fortwirken antiker, vorrangig griechischer Vorstellungen vom Menschen betonen.[1] Zuletzt fand vom 26.-28. September 2013 an der Humboldt-Universität eine internationale Fach-tagung unter dem Titel „Werner Jaeger - Wissenschaft.Bildung.Politik“ statt.

Werner Jaeger war ein Wissenschafter, der sehr viel wert darauf legte, dass seine Ideen nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaften verblieben, sondern auch ihren Weg auch in eine breitere Öffentlichkeit fanden. Deshalb war es ihm besonders wichtig, möglichst vielen Menschen das kulturelle und geistige Erbe von Antike und Humanismus näher zu bringen. In diesem Sinne war er Lehrer im besten Sinne und ein wenig auch Wissenschaftsmanager.

 


[1]  Näher dazu neuerdings Stefan Kipf, Moderner Humanismus – Perspektiven und Reflexionen, in: forum classicum, Heft 4/2012, S. 248-255, hier besonders S. 250 unter ausdrücklicher Bezugnahme auf Werner Jaeger.

 

 

 
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